Pillnacher des Monats Mai 2019

Englbert Kraus

Englbert (geb. 1935) ist seit 1950 Mitglied der FF Pillnach und hat an der allerersten Leistungsprüfung 1961 teilgenommen.  2012 wurde er zum Ehrenmitglied der Wehr ernannt. Ebenso ist er seit 64 Jahren Mitglied des Katholischen Arbeitervereins. Seit dem Eintritt ins Rentenalter ist Englbert der „Hausmeister“ des HdG´s. Rasenmähen, Schneeschaufeln, Holz auffüllen, einheizen, Asche leeren, Mülltonne bereitstellen, Briefkasten ausleeren, Annahme von Lieferungen, sowie Reparaturen von z. B. defektem Mobiliar, übernimmt er immer gerne. Englbert ist einer von Hermann seine „Boam“. Ruft Hermann zum  Maibaumstreichen oder Barcontainer restaurieren, steht er umgehend zur Stelle. Nur nicht an Sonntagen, an denen er seit Jahren regelmäßig zum Seniorentanz nach Degernbach fährt.  Das wichtigste im Leben für ihn sind jedoch seine Kinder und Enkelkinder. (Anmerkung: Mein Papa ist der beste Papa und Opa auf der ganzen Welt). Seit Januar diesen Jahres ist Englbert  Uropa. (SK)

Was hast Du beruflich gemacht? Mein Berufswunsch war eigentlich Zimmerer. 1950 habe ich mangels Lehrstelle beim Fürst Thurn & Taxis als Waldarbeiter angefangen. Nebenbei besuchte ich die kaufmännische Berufsschule in Straubing. Dort lerne ich Schreibmaschinenschreiben und Stenografie. Zwei Jahre lang arbeitete ich in München im Kanalbau und bei der Bahn, als diese elektrifiziert wurde. Nach einem tödlichen Arbeitsunfall eines Kollegen kehrte ich  heim und fing wieder beim Fürsten an, wo auch mein Vater und mein Bruder arbeiteten. Wir haben nicht nur Bäume gefällt sondern auch die Straße von der Holzmühle zum Schiederhof fertiggestellt. Das war alles Wildnis und wir mussten die gesamte Strecke roden. Der Fürst Albert sen. kam manchmal vorbei, wenn er auf der Jagd war. Er trug immer viel zu große Gummistiefel und einen geflickten Lodenmantel. Man erkannte ihn nur an seinem teuren Mercedes.  Ich hatte einen Arbeitsunfall durch einen umstürzenden Baum und brach mir den Arm und die Schulter. Ich musste operiert werden und 3 Monate eine Schiene tragen. Einen Tag nach dem Unfall kam die Kündigung von Thurn & Taxis und erst als ich wieder arbeitsfähig war, wurde ich erneut eingestellt. Als meine zweite Tochter am Pfingstsonntag 1966 zur Welt kam, meinte mein Arbeitgeber, ich bekomme keinen freien Tag für Behördengänge usw., wie es bereits damals üblich war, weil Pfingstmontag eh arbeitsfrei sei. Darauf kündigte ich und fing bei der Raiffeisenbank Pondorf als LKW-Fahrer an. Dort arbeitete ich  bis zu meinem 70. Geburtstag.  Ich kam viel herum mit dem Laster.  In Italien und  Frankreich holte ich Marmor und Fliesen. Nach Österreich und Südtirol lieferte ich Heu und Stroh, sowie Ziegel und Dachziegel an viele Baustellen im Landkreis.  Mein erster LKW war ein M.A.N, dann folgte ein Volvo und ein Mercedes. Der M.A.N war mir der liebste.  Wenn ich länger weg war, nahm ich immer so viel Proviant (Schweinebraten) mit, dass es reichte, bis ich wieder zu Hause war. Ich wollte nie im Ausland essen gehen. Als der Wigg einen neuen LKW bekommen sollte, musste der in Hamburg abgeholt werden. So fuhren der Schöberl Heinz und ich nach Hamburg. Ich träume heute noch fast jede Nacht, dass ich LKW fahre…

Wie war Deine Kindheit in Pillnach? Ich hatte eine schöne Kindheit in Pillnach. Mein Bruder war nicht mal ein Jahr älter als ich. Als ich 4 Jahre alt war, begann der Krieg. Mein Vater wurde 1941 eingezogen und war dann in russischer Gefangenschaft bis 1946. Mein Stiefgroßvater, der Johann Rauscher wohnte bei uns (Onkel von Peter Rauscher sen.)  Er hatte eine großen Kropf (Schilddrüsenkrankheit). Er sagte immer, wenn wir Radio hörten: „Bua, wos mia eza do hearn, des wirst du amoi seng“. Und er hatte recht. Irgendwann gab es Fernsehn. Ich weiß noch, zum 20. April musste jedes Haus in Pillnach die Hakenkreuz-Flagge sichtbar am Haus anbringen. Hätte es jemand nicht gemacht, wäre er von den Feldjägern abgeholt worden. 1945 nach Kriegsende marschierten die Amerikaner in Pillnach ein. Wir Kinder durften mit ihnen Jeep fahren und bekamen Kaugummi, Schokolade, Bananen und Orangen. Sowas kannten wir bis dahin nicht. Der Zusammenhalt unter den Pillnachern war damals genau wie heute. Wir Burschen  spielten oft  Jäger und Wuiderer im Wald und waren gute Freunde.

Wie hast Du Deine Frau Helmtrud kennengelernt? Helmi war damals die Arbeitskollegin von der Berwoif`n Rita. Ich fuhr die Rita manchmal zu Helmi nach Oberachdorf mit dem Motorrad und kannte sie von da her ein wenig. Eines Tages bekam ich heftiges Nasenbluten. Als es nach drei Tagen immer noch blutete, fuhr mich der Rupert Rager mit dem Roller ins Krankenhaus. Dort musste ich bleiben. Die Helmi radelte eines Tages an meinem Fenster vorbei und ich rief ihr zu, sie solle mich Sonntag besuchen. Das machte sie auch, aber leider waren genau zu dem Zeitpunkt viele Pillnacher Mädels da und ich bat sie Abends wieder zu kommen, was sie dann auch tat. Wir heirateten 1958. 1961 kam unsere Tochter Anita zur Welt. An dem Tag, heiratete mein Bruder und ich bekam das Auto meines Vaters nicht, weil mein Bruder seine Braut in Zandt abholen musste. Damals hatte nicht jeder in Pillnach ein Auto. Ich fragte den Riedl Edmund. Er hatte grad den Führerschein gemacht und sich einen nagelneuen VW Käfer gekauft. Er fuhr uns umgehend ins Krankenhaus nach Wörth. Die Krankenschwestern verboten mir, bei der Entbindung dabei zu sein, aber ich bestand drauf.

Was ist Deine Lieblingsspeise? Schweinebraten mit mindestens 2 Knödel.

Hast Du einen Lieblingsfilm? Ich schaue sehr gerne Tierdokumentationen, Filme, die in den Bergen spielen und Western mit John Wayne.

Hast Du ein Lieblingslied? Ich höre gerne Marschmusik und mein Lieblingslied ist der Böhmische Traum von Ernst Mosch.

Beschreibe Deinen Heimatort Pillnach mit ein paar Worten: Schöne Berge und Wälder, Bäche, Natur,  Zusammenhalt und viele Menschen, die ich gern hab.

Warst Du jemals in Urlaub? Bis zum 70. Lebensjahr nicht. Ich war ja eh ständig unterwegs und wollte am Wochenende bei meiner Familie daheim sein. Für mich war es Erholung, am Sonntag rund um`s Dorf und zum Fischweiher zu spazieren. Als ich in Rente ging, machten wir Urlaub am Gardasee, am Großglockner und im Altbachtal.

Mit welcher Persönlichkeit (leben oder tot) würdest Du gerne mal im HdG zusammensitzen auf eine Hoibe? Mit Freddy Quinn.

Hast Du ein Lebensmotto?  Zum Glücklichsein braucht man liebe Menschen um sich herum und eine Arbeit die Freude macht.

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