Erinnerungen an meine Kindheit in Pillnach

Ich wurde am Pfingstsonntag im Jahr 1966 geboren. (Bei meinen Recherchen zur Erstellung der Homepage war es der Tag, an dem die FF Pillnach Patenverein bei der Fahnenweihe in Obermiethnach war und mein Papa, trotz der langen Nacht im Krankenhaus brav mit der FF mitmarschiert.

Mai 66

Zu dieser Zeit war in Pillnach noch knapp die Hälfte der Einwohner, wenn auch nur nebenerwerblich in der Landwirtschaft tätig. Es gab noch viele Bauernhöfe mit Kühen und Hühnern. Ich wohnte hinter einem großen Sägewerk.

Sägewerk (2)

Sägewerk am heutigen HdG-Gelände

Heute befinden sich auf dem Areal das HdG sowie der Saloon. Viele Einwohner von Pillnach waren damals im Sägewerk beschäftigt. Die Frauen sortierten die Bretter und die Männer sägten. Der Werksbetrieb ging oft bis spät in die Nacht. Sowas wie Lärmbelästigung kannte man damals nicht.

Schon früh war es meine Aufgabe, jeden Samstag zum Keck am Eichelberg zu gehen und Eier zu kaufen. Ich war damals so um die 6 Jahre und wurde vom Keck-Vater immer mit den Worten begrüßt: „Geh Dearndl, sitz di her, dann schnupf ma a Bris“. So saßen wir dann beide hinter der Eckbank und schnupften bis die Eier bereit waren zum Mitnehmen.

Keck-Opa

Auch holte ich täglich frische Milch bei der Riedl Oma Sie wusste wann ich komm und wartete schon auf mich. Ich durfte dann mit in den Stall und vor allem wenn es ein junges Kälbchen gab, kam ich stundenlang nicht mehr heim. Daher rührte auch mein erster Berufswunsch: „Kuhfütterin“. Die Milch brachte ich manchmal nicht vollständig heim, weil ich immer versuchte, die Kanne mit „Überschlag“ zu schwenken, was manchmal leider schief ging.

Riedl-Oma

Wenn ich meine Großeltern im jetzigen Zankl-Lumberjack-Haus besuchen wollte, war das oft schwierig. Die Frau Seper hatte viele große Gänse, die mir auf der Straße mit ausgebreiteten Flügel und zornig schnatternd entgegen kamen, was mich oft zum Umkehren zwang.

Haus meiner Großeltern 1973

Manchmal besuchte ich auch den Schneider-Vater. Das war ein sehr lieber und weiser Opa. Der konnte Reisigbesen binden und Holzleitern machen. Er hatte den schönsten Schnurrbart den ich je gesehen habe mit Kringel an den Spitzen, was daher rührte, dass er nachts mit einer Bartbinde schlief.

Schneider-Vater

Im Winter hat mein Onkel oft Wasser von dem Feldweg am Berg hinter dem Grundstück von Opa geschüttet, damit wir am nächsten Tag eine Eispiste zum Schlittenfahren gehabt haben. Während wir also den Eiskanal runter gefahren sind, hat meine Oma Schoitnkirchl gemacht und echten Kakao. Irgendwann bekam ich dann Ski. Geübt wurde auf dem Weinzierl-Berg (der heutigen Siedlung Eichenhügel). Wenn man dann schon ein wenig fahren konnte, dann ging`s ab zum Müllerberg. Da gab es sogar eine Sprungschanze. Nachdem sich der Wendel Heinz den Arm gebrochen hat, bin ich nie wieder gesprungen.

 

Mein Großvater hatte viele Bienenvölker. Schon früh erfuhr ich von der Pharoa-Milbe. Opa hatte sogar ein Mikroskop, mit dem er mir zeigte, wo die Milben bei den Bienen saßen. Außerdem war Honig laut Opa die beste Medizin. Egal ob auf Wunden geschmiert oder einfach zum Essen. Honig half immer. Nicht so schön war, das gezielte stechen lassen durch die Bienen. Aber Opa sagte, das beugt Ischias und Rheuma vor.

Mein Opa war Forstarbeiter bei Fürst Thurn und Taxis. Somit war er befugt, die Waldwege auch mit dem Auto zu befahren. Wenn wir im Herbst in die Schwammerl gingen, dann gingen wir nicht zu Fuß durch die Wälder, sondern wir sind gefahren! Im Auto sitzend mit Schritttempo hat er dann akribisch die „Gstsetten“ abgesucht und wenn er einen gesehen hat, durften wir Enkel abwechselnd aussteigen und den Pilz abschneiden. Aber wehe wir wollten ein Maronerl mitnehmen. Das ging gar nicht. Opa sagte: Die kann man zwar essen, aber das machen nur die Stadtmenschen aus Straubing. Wir nahmen also nur Steinpilze, Birkenpilze und Rotkappen. Und 1 – 2 „Kejdatscherl“ weil Oma sagte, die machen die Soße sämiger. Wenn der Korb voll war, fuhren wir manchmal in Richtung Schiederhof. Im Wirtshaus angekommen, handelte Opa mit der Wirtin aus, welches Menue seine Enkel für einen Korb voll Steinpilze bekamen. Es reichte immer für Schnitzel mit Pommes und ein echtes Coca Cola. Meine Oma wartete zu Hause vergeblich auf die Schwammerl, die auf ihrem Speiseplan standen.

Manchmal durfte ich auch ganz alleine ins Dorf, um beim Bauerkramer einzukaufen. Wenn man die Tür öffnete, erklangen hintereinander viele kleine Glöckchen, eine unverkennbare Melodie. Man bekam dort einfach alles. Von frischen Mohrenkopfsemmeln über Postkarten von Pillnach bis hin zu Batterien, Zahncreme und Zeitschriften.

Herr und Frau Bauer

Eine schlimme Kindheitserinnerung für mich ist nach wie vor der Fasching. Noch sehr klein wurde ich als Rotkäppchen verkleidet. Ich hatte so Angst, dass mich der böse Wolf frisst. Aber ohne Verkleidung konnte man nicht zum Kinderfasching ins Dorfwirtshaus zum Huber. Der Herr und die Frau Bauer vom Kramerladen prämierten dort alljährlich die schönsten Masken und Kostüme und wenn man Glück hatte, dann erbeutete man Kekse oder Chips. Mit 6 Jahren durfte ich dann eine Indianerin machen und meine große Schwester Anita verkleidete sich meist als Cowboy-Mädchen (so nannte man das damals). Da hatte ich dann nur noch Angst vor dem Gewehr von Fischer Peter. Dem ging nämlich nie die Munition aus.

Im Mai besuchten wir täglich die Maiandacht in unserer Kapelle. Unsere Katechetin Fräulein Rosa legte darauf großen Wert. Wenn man als erstes dort war, durfte man sogar die Glocke läuten. Das war lustig, weil der Strick einen immer ein Stück mit hochzog. Am Ende der Andacht teilte die Schneider Resl oft Süßigkeiten an uns Kinder aus, weil wir so fleißig gebeten haben.

Rosina Kiendl 2011

Gemeindeblatt 12/2011

Zu einem richtigen Sonntag gehörte ein Familienspaziergang in den Wald bis zu den Fischweihern und anschließend „rund um`s Dorf“. Wenn mir dabei langweilig wurde, dann hüpfte ich wie Pippi Langstrumpf mit den Worten: Schallali schallala schallahopsasa die Straße entlang. Meine Eltern waren davon nie begeistern und es wurde mir immer angedroht, am nächsten Sonntag daheim bleiben zu müsssen.

Fischweiherfoto

Ein Sonntags-Waldspaziergang

Da mein Papa LKW-Fahrer war und manchmal auch Tage nicht heimkam, gehörte es gelegentlich zu meiner Aufgabe die Fische im Baumeister-Weiher zu füttern. Ab und zu begegnete mir die Berta Berger, die Reisig sammelte. Als Kind hatte ich Angst vor ihr. Sie wohnte ganz einsam tief im Wald (Holzmühle), war merkwürdig gekleidet und nicht unbedingt redselig.

1978 wechselte ich dann in die Realschule nach Bogen. Schulen wie zu Beispiel ein Gymnasium in Straubing konnte man nicht so einfach besuchen, weil die nächste Haltestation des Busses nach Straubing in Pondorf war. Ein paar Jahre später holte der Bus zwar die Kinder in Pillnach ab, aber die Rückfahrt ging oft trotzdem nur bis Pondorf. So standen der Erhard Georg, die Berwoif`n Heidi und ich schon um 06 15 Uhr am Bus, damit wir pünktlich um 8 Uhr in Bogen eintrafen.

1979 war ein großes Jahr für Pillnach und auch für mich. Die Fahnenweihe der FF stand bevor und ich durfte meine Cousine Edeltraud, die das Schirmherrnband trug zusammen mit der Berwoif`n Heidi begleiten. → FF Gründungsfest 1979. Meine Schwester Anita trug die Erinnerungsbänder für die eingeladenen Feuerwehren.

Foto (6)

Erinnerungsbänder

Irgendwie hab ich nie ein eigenes Fahrrad besessen. Ich lieh mir meist das von meiner Schwester aus. Und aus unerklärlichen Gründen hab ich das meist zu Schrott gefahren. Meine Schwester bekam dann ein neues Fahrrad und ich hatte wieder keins. Eines Tages dachte ich, ich könnte das Mofa meiner Schwester ein wenig auffrisieren. Es war eine Hercules Prima 5S in orange. Sie fuhr damit täglich in die Arbeit nach Obermiethnach. Auch am Tag nach dem Tuning fuhr sie wie gewohnt mit Vollgas um die Kurve beim Rauscher Peter. Aber das Mofa ging ja jetzt ein klein wenig schneller. Das gab dann großen Ärger für mich.

Was heute unvorstellbar ist… ich bin 1980 auf der jetzigen Autobahn A3 geritten, bevor sie 1981 für den Verkehr freigegeben wurde. Meine Nachbarn hatten Ponnys und der kürzeste Weg vom Stall in Obermiethnach (Sägewerk) nach Pillnach war die noch nicht fertig gestellte Autobahn.

1980 fragte mich Franz-Xaver Müller, ob ich nicht Lust hätte bei der Freiwilligen Feuerwehr mitzumachen. Da in Pillnach nicht so viel geboten und ich inzwischen 14 Jahre alt war, erschien es mir als eine sehr willkommene Abwechslung.

 

Herr Müller hat nicht nur den Weg frei gemacht für Frauen bei der FF Pillnach. Nein! Er gab uns sogar die Möglichkeit eine eigene Disco im heutigen Schulungsraum des FF-Hauses zu errichten. Er kaufte Farben, Bretter, Schrauben usw und los ging`s.

Aufbauarbeiten Firehouse

von links: Peter Fischer, Martin Landgraf, Karl Groß, Georg Erhart, Hans Lohmeier, Franz Landgraf

Wir strichen, bauten, schraubten und hämmerten bis unsere Disco fertig war, dDas „Firehouse“. Das Prunkstück war eine mit Spiegel beklebte Styropor-Kugel, die sich elektrisch drehte und eine überdimensionale Rose im Treppenaufgang, welche der Ufo (Georg Erhart) malte.

Rose Treppenaufgang

Bild unten: Alois Lohmeier, Manfred Hofbauer, Josef Kagermeier, Hans Lohmeier, Thomas Meinzinger, Christian Bauer

Der Landgraf Franz war für den Plattenkauf und die Musik zuständig . Der jetzige Gäuboden-Bäcker Rudi Hahn hat schon damals zu Ostern allen Nachbarn rund ums FFW-Haus kleine Schäfchen gebacken, um sie wieder für ein Jahr bezüglich der nächtlichen Gaudi zu besänftigen. Wenn wir Freitag und Samstag ins Firehouse gingen, hatten wir ein paar Scheite Holz dabei, da es dort nur einen Holzofen gab. Jeden Samstag hatte eine andere von uns Mädchen Putzdienst. Dafür mussten die Jungs Getränke kaufen. Viele Jahre war es ein beliebter Treffpunkt. Unsere Eltern mussten sich nicht sorgen, wo wir sind oder wie wir heimkamen. Wer der FF beigetreten ist, gehörte dazu. Vielleicht war es auch ein wenig Strategie von Herrn Müller, die sich jedoch ausgezahlt hat. Nachwuchssorgen hatte die FF schon damals nicht. Natürlich waren wir auch sehr motiviert was das aktive Feuerwehrleben betraf. Herr Müller war ein strenger Lehrer, aber auch ein großes Vorbild für uns alle.

 

Er schickte die Jugendfeuerwehr damals los, um die älteren Dorfbewohner nach Bränden und großen Feuerwehreinsätzen zu befragen. So machten die Rauscher Beate und ich uns auf den Weg. Wir besuchten als erstes die Groß Franziska.

Gross Fanny

Die Fanny war eine sehr herzliche und lustige Frau. Sie hat uns viel von früheren Zeiten berichtet. In Erinnerung blieb mir, dass sie zweimal der Blitz getroffen hat und sie jedes Mal glimpflich davon kam. Sie erzählte uns auch, dass ihr tödlich verunglückter Schwager ein Lied über Pillnach geschrieben hat und übergab mir den Liedtext , den ich bis heute hüte wie einen Schatz…

 

Was aus den Aufzeichnungen geworden ist, die wir damals als Jugendfeuerwehr zusammengetragen haben, ist mit leider nicht bekannt. Herr Müller verstarb viel zu früh.

Das alles ist viele Jahre her. Inzwischen wohne ich ein paar Kilometer von meinem Heimatort entfernt. Trotzdem wäre es mir nie in den Sinn gekommen, einer anderen Feuerwehr beizutreten als der FF Pillnach. Nach 36 Jahren Zugehörigkeit als aktives Mitglied wurde mir im November 2016 eine sehr große Ehre zu teil. Ich wurde als erste Frau zur Vorsitzenden der FF Pillnach gewählt. Ich werde diese Aufgabe so gut wie möglich meistern und mein Bestes geben – für die FF und für Pillnach –

Sigrun Kraus

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